„Tödliches Verderben“ von Karin Slaughter, erschienen bei Harper Collins (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)
(aus dem amerikanischen Englisch von Simone Schroth und Birgit Schmitz)
Nachdem mich „Dunkle Sühne“ komplett begeistert hat und zu meinen Thriller-Highlights des letzten Jahres gehörte, waren meine Erwartungen an den zweiten Band der North-Falls-Reihe natürlich riesig: Karin Slaughter hat sie wieder einmal erfüllt.

Wir werden direkt ins Geschehen geworfen: Auf dem Rückweg der Beerdigung ihrer Mutter hören Emmy und Jude Clifton Schüsse in einem Haus. Sie schreiten ein und kommen selbst nur knapp mit dem Leben davon. Sie kommen zu spät, um die ehemalige Polizistin Allison Vickery zu retten, aber sie finden deren Tochter Mandy schwer verletzt und alarmieren den Rettungsdienst. Bei der Suche nach dem Schützen stoßen die Schwestern auf ein Geflecht aus Geheimnissen, Korruption, häuslicher Gewalt und Drogenkriminalität.
Obwohl das Buch stolze 560 Seiten umfasst, hatte ich es in kürzester Zeit verschlungen. Mit jedem Kapitel kommen neue Details ans Licht, Verdächtige wechseln, Zusammenhänge werden sichtbar und immer wieder nimmt die Geschichte eine Richtung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe.
Der Schreibstil ist gewohnt packend und flüssig. Trotz der zahlreichen Figuren und Handlungsstränge verliert man nie den Überblick. Gleichzeitig spart die Autorin nicht an drastischen Szenen. Die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche und daraus resultierende Handlungen werden schonungslos dargestellt. Das macht den Thriller authentisch, ist aber definitiv nichts für schwache Nerven.
In diesem Buch ermitteln Emmy und Jude gemeinsam. Sie sind aus demselben Holz geschnitzt und beide sehr taff. Jude lässt ihre Kontakte von früher spielen und wir erfahren einiges über Judes Vergangenheit und über ein Familiengeheimnis, das sie schon lange mit sich herumträgt. Emmy muss sich nicht nur als Sheriff beweisen, sie leidet auch immer noch unter den Folgen der jahrelangen Pflege ihrer Mutter, die unter Demenz litt.
Tatsächlich schafft sogar der letzte Satz einen Cliffhanger zu setzen, so dass ich es kaum erwarten kann, endlich wieder nach North Falls zurückzukehren.
Der Kriminalfall ist zwar in sich abgeschlossen, sodass sich „Tödliches Verderben“ grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse lesen lässt. Wer die Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen zueinander vollständig nachvollziehen möchte, sollte jedoch unbedingt zuerst zu „Dunkle Sühne“ greifen.
Für mich ist „Tödliches Verderben“ Thriller-Unterhaltung auf höchstem Niveau: düster, vielschichtig, emotional und unglaublich spannend. Von mir gibt es ganz klar 5/5 Sternen!


Klappentext:
Im County von North Falls erschüttert ein brutaler Angriff den Frieden der sonst so beschaulichen Stadt Verona: Die Polizistin Allison Vickery wird ermordet in ihrem Haus aufgefunden, ihre jugendliche Tochter ist lebensgefährlich verletzt und zutiefst verängstigt. Bei ihren Ermittlungen stößt Sheriff Emmy Clifton auf eine jahrzehntealte Verschwörung, in die die mächtigsten Persönlichkeiten der Stadt verstrickt sind. Gemeinsam mit ihrer Schwester, der ehemaligen FBI-Agentin Jude Archer, wird sie in ein Labyrinth aus Lügen und Schweigen hineingezogen, in dem jemand skrupellos mordet. Für Emmy und Jude beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und einen unsichtbaren Feind, der alles zerstören könnte, was ihnen lieb ist.
