Roman

„Fünf, sechs, sieben, acht“ von Ewald Arenz, erschienen bei Dumont (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)

Muss man einem SPIEGEL-Bestseller, der seit Wochen auf Platz eins steht, noch eine weitere Rezension widmen? Muss man nicht, kann man aber. Mache ich also. Auch wenn ich schon beim Lesen meine Zweifel hatte, ob meine Rezension diesem Buch überhaupt gerecht werden kann.

Dass es ums Tanzen geht, macht der Titel einigermaßen deutlich, jedenfalls ist mit 5678 keine Postleitzahl aus den Neunzigerjahren gemeint (war Wermelskirchen, hat nichts mit der Geschichte zu tun). „Der Takt des Lebens“, sagt der Klappentext dazu. Konkret geht es um Tänzer Anton, der auf dem (letzten) Höhepunkt seines Schaffens jäh aus dem Berufsleben gerissen wird — eine neue Intendantin kommt ans Theater und ersetzt ihn durch eine jüngere Choreografin. Mit 60 Jahren wird er plötzlich damit konfrontiert, dass es nicht immer weiter (aufwärts) geht und niemand ihn mehr engagieren will. Also begibt sich Anton auf die Suche nach seiner Jugendliebe, die seinerzeit spurlos verschwunden ist.

Ewald Arenz porträtiert Anton und seine Familie auf eine wunderbare, einfühlsame Erzählweise. Während des Lesens war ich durchweg begeistert von seinem leichten Schreibstil, bei dem einfach alles zusammenzupassen scheint. Man kann sich in der Geschichte und der Schilderung verlieren. Es sind die Details, die kleinen Episoden, die dieses Buch absolut lesenswert machen und mir eine wirklich schöne Lesezeit bereitet haben.

Rückblickend kamen mir aber auch Zweifel bezüglich der Relevanz. Alter weißer Mann, der Zeit seines Lebens nur an sich gedacht hat (ohne dabei im besonderen Maß ein Arschloch gewesen zu sein, nur zu blind für das, was sein Verhalten mit seiner Umgebung gemacht hat), der ein Jahrzehnte altes Trauma aufarbeiten muss, um mit sich und der Welt wieder ins Reine zu kommen — die Geschichte selbst ist irgendwie profan. Sie hallt eben nicht nach, gibt zwar hier und da ein paar Denkanstöße (wie beeinflussen Eltern das Leben ihrer Kinder, manchmal durch Kleinigkeiten), aber hat mich nicht tief berührt. Alles, wirklich alles ist erwartbar und frei von jeglicher Überraschung. Vielleicht hilft es Menschen, denen es wie Anton geht und die sich fragen, ob sie das richtige Leben gelebt haben, um mit sich ins Reine zu kommen.

Muss man das Lesen? Ne. Kann man aber machen. Man wird es nicht bereuen. Sprachlich und vom Erzählstil Extraklasse, inhaltlich nicht so ganz. Daher „nur“ 4,5/5 Sternen.

Klappentext:

Anton, 60 Jahre alt, ist Tänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Ausdruckskraft, wer könnte ihm seine Stelle am Theater streitig machen?

Doch es kommt anders. Die Kündigung löst etwas in ihm aus, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Beruf, Frau, Kind – Anton fragt sich, ob er das richtige Leben gelebt hat. Und mit den Zweifeln steigen die Gedanken an eine alte große Liebe hoch …

Zum Buch beim Verlag