„Keine Angst, Darling“ von Vera Buck, erschienen bei Lübbe (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)
Das Cover erinnert ein wenig an die Freida McFadden-Bücher, was möglicherweise aufgrund der gewissen Ähnlichkeit von Stil und Sujet Absicht ist. Viel bemerkenswerter ist jedoch der (limitierte) versteckte Buchschnitt. „Ich bin immer für Dich da“ ist dort zu lesen, wenn man die Seiten etwas nach hinten drückt. „Solange Du tust, was ich sage“, wenn man sie nach vorn drückt — damit ist der Ton des Buches direkt gesetzt. Ich war sofort begeistert!

Es geht um Macht, Misogynie und Manipulation. Lea stammt aus Deutschland und hat in den USA Matt kennengelernt, nachdem sie nach einigen schlimmen Erlebnissen mit Männern eigentlich schon abgeschlossen hatte. Nun lebt sie in einer Gaited Community ein vermeintliches Traumleben, dem man via Instagram folgen kann — als Tradwife. Als plötzlich keine neuen Videos erscheinen und sie nicht auf Anrufe und Nachrichten reagiert, macht sich ihre Schwester Paula erst Sorgen und dann auf den Weg nach Florida, um nach ihr zu suchen. Sie besucht Matt und stöbert in seiner Vergangenheit — und wird selbst Ziel von Verfolgung und Bedrohung.
Was echt ist und was Fake, wer etwas nur spielt oder die Wahrheit sagt, wer Freund oder Feind ist, das ist in dieser Geschichte an vielen Stellen die Frage und nicht alles ist wahrhaftig so, wie es zuerst scheint. Das macht das Buch durchgängig abwechslungsreich und ich war mir oft nicht sicher, wie die Story wohl zu Ende gehen wird.
Vera Buck bearbeitet das Thema Tradwives etwas anders als Caro Claire Burke in Yesteryear (Link zur Rezi: https://stillesen.de/yesteryear), in „Keine Angst, Darling“ ist es in meiner Wahrnehmung eher ein Nebenschauplatz.
Stilistisch haben mir die Transkript der Social Media-Videos sehr gut gefallen, ebenso wie die verschiedenen Stile, wenn aus Paulas (Ich-Perspektive) oder Leas (dritte Person) Sicht geschrieben ist. Ergänzend dazu gab es die Tagebuch-Einträge, versteckt im Haushaltsbuch, die in mir besondere Beklemmung ausgelöst haben.
Was mich bei Autor*innen immer begeistert, ist ein Stilwechsel zwischen den verschiedenen Werken. Es ist mein zweites Buch von Vera Buck und beide Bücher haben in meiner Wahrnehmung fast nichts gemein — ohne es zu wissen, hätte ich nie vermutet, dass sie aus derselben Feder stammen. Bei Vera Bucks „Der dunkle Sommer“ dauerte es die Hälfte der Geschichte, bis ich wirklich gefesselt war (Link zur Rezi: https://stillesen.de/der-dunkle-sommer), diesmal war ich von Seite eins voll drin. Das Buch ist von Anfang an interessant und wird zunehmend spannend, vor allem konnte ich von Beginn an mit den Protagonistinnen mitfühlen.
Weglegen konnte ich das Buch irgendwann gar nicht mehr, es hat mich um meinen Nachtschlaf gebracht. Nicht jeder Plottwist hat mich überrascht, gut gesetzt waren sie dennoch. Ich vergebe eine Leseempfehlung und 4,5 / 5 Punkten.
Klappentext:
Millionen wollen sein wie sie.
Doch ihr Leben ist eine gefährliche Lüge…
In der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida hat Lea endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: ein sicheres Zuhause, eine Tochter, die sie über alles liebt, und einen Mann, der sie auf Händen trägt. Für ihr schillerndes Leben wird sie online von Millionen gefeiert – nur ihre Schwester Paula misstraut der makellosen Inszenierung. Als Lea plötzlich verstummt, reist Paula besorgt von Deutschland nach Florida. Doch in der Sancta Familia ist ihre Schwester nicht. Ihr Mann behauptet, sie sei in einem Retreat. Aber warum gibt es kein Lebenszeichen? Je tiefer Paula in die scheinbar heile Welt der Siedlung eindringt, desto sichtbarer werden die Risse: Strenge Regeln erfordern bedingungslosen Gehorsam. Und Frauen, die sich widersetzen, verschwinden…


