Roman

„Der Einsiedlersommer“ von Anne Sverdrup-Thygeson, aus dem Norwegischen von Franziska Hüther, Nora Pröfrock und Ricarda Essrich, erschienen bei dtv (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)

Die Autorin Anne Sverdrup-Thygeson hat bereits faszinierende Sachbücher über die Natur geschrieben. „Der Einsiedlersommer“ ist ihr Romandebüt, auf das ich sehr gespannt war.

Darum geht es: Die 34-jährige Biologin Eva nimmt sich nach einem schweren Verlust eine Auszeit und sucht in den norwegischen Wäldern nach dem nahezu ausgestorbenen Eremitenkäfer. Gemeinsam mit ihrem Labrador Orca zieht sie in ein abgelegenes Gehöft, wo sie auf die eigenwillige 76-jährige Olga trifft. Aus anfänglichem Misstrauen entwickelt sich langsam eine besondere Freundschaft, die beiden Frauen neuen Halt gibt.

Mich hat vor allem die Atmosphäre in dem Roman begeistert. Die Beschreibungen der Natur fühlen sich beim Lesen echt an und die Liebe der Autorin zur Natur ist auf jeder Seite spürbar. Man merkt, dass Anne Sverdrup-Thygeson Expertin auf diesem Gebiet ist. Ganz nebenbei erfährt man viel über Biodiversität und die Bedeutung alter Wälder, ohne dass es belehrend wirkt.

Doch das Buch ist weit mehr als ein Roman über Naturschutz. Die Entwicklung der Freundschaft zwischen Eva und Olga hat mich sehr berührt: Zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen, die beide auf ihre Weise zu Einsiedlerinnen geworden sind und sich gegenseitig zurück ins Leben helfen. Außerdem kommen Themen wie Trauer, Verlust und Familiengeheimnisse auf.

Neben den emotionalen Themen greift der Roman auch den Konflikt zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen auf und zeigt, wie schwierig es ist, das zu bewahren, was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und doch unersetzlich ist.

Der Schreibstil ist ruhig, atmosphärisch und gleichzeitig fesselnd. Immer wieder sorgen kleine Wendungen und Geheimnisse dafür, dass man weiterlesen möchte. Lediglich einige Handlungsstränge bleiben am Ende etwas offen und die männlichen Figuren wirken im Vergleich zu Eva und Olga weniger facettenreich.

„Der Einsiedlersommer“ ist ein berührendes Romandebüt über Natur, Freundschaft und das Leben selbst. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 5/5 Sternen.

Klappentext:

Nach einem schmerzhaften Verlust zieht sich Eva Wist aus Oslo in ein Dorf in Vestfold zurück, um den als ausgestorben geltenden Eremitenkäfer zu suchen. Dort begegnet die 33-jährige Biologin ihrer neuen Nachbarin, der exzentrischen Olga. Die 76-Jährige lebt als Einsiedlerin inmitten des uralten Eichenwaldes. Auf ihrem Grundstück soll ein Steinbruch entstehen. Das Projekt verspricht Arbeitsplätze und eine Zukunft für die Region. Doch Olga will das unbedingt verhindern: Für sie ist der Wald lebendige Erinnerung — und der Schlüssel zu einem Familiengeheimnis, das sie endlich aufklären will. Während Eva die Artenvielfalt erkundet und mit Olga Freundschaft schließt, findet sie Schritt für Schritt aus der Trauer und ringt um die Frage, was bewahrt werden muss — im Leben wie in der Natur.

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