Roman

„Wolkenberührpunkt“ von Christoph Kramer, erschienen bei KiWi

Unbezahlte Werbung / Überraschungs-Buchbox erhalten vom Verlag

Nachdem mir Chris Kramers Debütroman „Das Leben fing im Sommer an“ bereits sehr gut gefallen hat (siehe hier: https://stillesen.de/das-leben-fing-im-sommer-an), war meine Vorfreude auf seinen neuen Roman entsprechend groß. Ich hatte mir schließlich etwas wirklich Fiktionales von ihm gewünscht. Und so war meine Freude und Überraschung umso größer, als unerwartet ein Bloggerpaket bei mir eintraf, mit einer toll gestalteten Box, einer Grußkarte mit Chris Kramers Handschrift und einem kleinen Kaugummiautomaten, der nach dem Auspacken und Fotografieren unerklärlicherweise auf Nimmerwiedersehen in einem Kinderzimmer verschwunden ist.

Auch „Wolkenberührpunkt“ ist ein Coming-of-Age-Roman, so bleibt sich Kramer zunächst im Genre treu. Und er lässt auch nicht ganz seine eigene Perspektive los, denn er nimmt bei der Schilderung des Lebens seiner Hauptfigur Roman (großartige Namenswahl) immer wieder Bezug zu seinen eigenen Erlebnissen in Kindheit und Jugend und punktet bei mir mit Empathie und Reflektionsfähigkeit. Eben alles andere als der Klischee-Fußballer.

„Wolkenberührpunkt“ nimmt seinen Anfang in einer Buchhandlung am ersten Verkaufstag von Chris Kramers Debütroman. Er trifft auf Roman, der in Wirklichkeit anders heißt, und unterhält sich mit ihm. Dessen Geschichte wird der Ausgangspunkt für den Roman-Roman. Laut einem Interview mit Siham von ttt auf der Frankfurter Buchmesse, das ich sah, sind die ersten zehn Seiten des Buches exakt so passiert. Ab dann wird es fiktional.

Romans Leben wird in der Milleniums-Silversternacht aus den Angeln gehoben. Ein starker Einstieg, denn die meisten, die den Jahreswechsel 1999/2000 bewusst erlebt haben, dürften noch gut wissen, was sie an diesem Tag getan und wie die den Jahrtausendwechsel erlebt haben. Für Roman verändert sich alles schlagartig und eine Suche nach seiner Identität und dem Glück des Lebens beginnt.

Chris Kramer beweist mit seinem zweiten Roman, dass er wirklich schreiben kann. Er gibt der Lebensgeschichte von Roman, die so weit von seiner eigenen Biographie und Lebenswirklichkeit entfernt ist, einen perfekten Raum, die Erzählung wirkt glaubwürdig und authentisch. Jeder Ton sitzt, jeder Dialog passt, man freut sich und leidet mit den Protagonisten. Dabei offenbart Chris Kramer eine Beobachtungsgabe und Tiefgründigkeit, die man nicht automatisch mit der öffentlichen Figur des Fußballers, Weltmeisters und TV-Experten überein bringen würde. Ich war zutiefst beeindruckt von diesem Buch und der Erzählweise.

Für mich ist „Wolkenberührpunkt“ der perfekte Nachfolger von „Das Leben fing im Sommer an“, eine ganz natürliche Weiterentwicklung, der es Spaß macht zu folgen. Von mir gibt es dafür 5/5 Sternen.

Klappentext:

Herbst 2024: Christoph Kramers Ära bei Borussia Mönchengladbach endet. Um der drohenden Leere zu entkommen, schreibt er sein erstes Buch »Das Leben fing im Sommer an«. Nach Erscheinen trifft Chris in einer Buchhandlung Roman, einen jungen Mann, der sein Buch mit abgezählten Münzen zahlt und dessen Schicksal ihn nicht mehr loslässt.

Es ist die Geschichte eines Schocks in der Silvesternacht 2000, der Romans Welt für immer zerreißt. Es ist die Suche nach dem geheimnisvollen »J« und die Flucht auf den »Wolkenberührpunkt« – jenen alten Mast, auf dem er mit seinem besten Freund Steve dem Himmel nah ist, um Wünsche in die Welt zu schreien.