Krimi und Thriller

„Das Gehöft“ von Leo Brandt, erschienen bei dtv ᵘⁿᵇᵉᶻᵃʰˡᵗᵉ ᵂᵉʳᵇᵘⁿᵍ, ᴿᵉᶻᵉⁿˢⁱᵒⁿˢᵉˣᵉᵐᵖˡᵃʳ

Richard Brandes, dessen Brandenburg-Krimis mich schon sehr begeistert haben, hat unter dem Pseudonym Leo Brandt einen Thriller veröffentlicht, der mit einem außergewöhnlichen Setting daherkommt: Er spielt nahezu vollständig auf einer (fiktiven) Hallig, abgeschnitten von der Außenwelt.

An Richard Brandes’ Krimis hat mich sein Schreibstil, gepaart mit dem Variantenreichtum seines Storytellings, sehr begeistert. Noch mehr fasziniert mich nun, dass er in einem komplett anderen Stil schreiben kann — ohne es zu wissen, hätte ich niemals vermutet, dass hinter diesen Büchern derselbe Autor steckt.

Das geht leider mit einem kleinen Wermutstropfen einher, denn während ich mich sehr gut in seine Brandenburger Figuren hineinversetzen konnte, gelang mir dies mit seinen norddeutschen Neu-Insulanern leider nicht wirklich. Ohne, dass ich konkret benennen könnte, woran es genau hapert, blieben sie mir seltsam fremd und ihr Schicksal bewegte mich weit weniger als in seinen Brandenburg-Krimis (und an seiner Stelle wäre ich nun maximal genervt: Jetzt nimmt er sich schon ein Pseudonym und trotzdem werden seine Werke verglichen, da hätte er ja auch gleich als Richard Brandes Thriller veröffentlichen können…).

Nichtsdestotrotz ist es ein spannendes Buch, das ich gerade zum Ende hin kaum aus der Hand legen konnte. Die Suche nach dem wahren Täter blieb lange offen, was für mich bei Büchern dieser Art mit am wichtigsten ist. Aufbau und Ende waren stimmig und plausibel, auch wenn nicht jeder Spannungsbogen und jede Wendung perfekt waren.

Den Ort der Handlung auf eine fiktive Nordseehallig zu legen, hat mir sehr gut gefallen. Idyll und Lebensgefahr liegen wohl an wenigen Orten in Deutschland so nah beieinander und es gibt wohl nicht viele andere Orte, an denen man wirklich komplett von der Außenwelt abgeschlossen sein kann. Das gibt der Story eine besondere Note, die ich sehr originell fand.

Ich vergebe 4/5 Sternen.

Klappentext:

Gemeinsam mit Freunden erwirbt Biologin Lara ein Gehöft auf der menschenleeren Hallig Westeroog, um es ökologisch zu bewirtschaften. Doch bald nach der Ankunft geschehen seltsame Dinge. Laras Bruder Malte verschwindet spurlos, kurz darauf reißt die Funkverbindung ab. Die Gruppe ist von der Außenwelt abgeschnitten; ein Entkommen ist wegen der gefährlichen Strömung in einem Priel unmöglich. Lara ist sich sicher, dass sie nicht allein auf der Insel sind. Zugleich verdichten sich Hinweise, dass ihr Lebensgefährte Henry etwas mit dem Verschwinden von Malte zu tun hat. Werden sie von einem Unbekannten verfolgt oder besitzt Henry eine dunkle, gewalttätige Seite? Als eine weitere Person verschwindet, eskaliert die Situation …

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