„Pina fällt aus“ von Vera Zischke, erschienen bei List ᵘⁿᵇᵉᶻᵃʰˡᵗᵉ ᵂᵉʳᵇᵘⁿᵍ, ᴿᵉᶻᵉⁿˢⁱᵒⁿˢᵉˣᵉᵐᵖˡᵃʳ
Auf das Buch war ich total gespannt und tatsächlich hat es mich von der ersten Seite an gepackt und berührt.

Pina Luxen ist alleinerziehende Mutter des 20-jährigen Leo, die mit ihm in einem Mehrfamilienhaus in Wuppertal lebt. Leo ist Autist und nimmt die Welt auf seine ganz eigene Weise wahr. Sein Alltag folgt klaren Strukturen und Ritualen, vom richtigen Moment aufzustehen bis hin zu festen Abläufen beim Treppensteigen. Pina ist dabei sein Anker, sie hält seine Welt zusammen.
Doch dann ändert sich alles schlagartig: Pina landet im Krankenhaus und ist plötzlich nicht mehr da. Nun sind es die Nachbarn, die für Pina einspringen müssen. Eine ungewöhnliche, bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft: die 86-jährige Inge, die seit Ewigkeiten ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat, die rebellische 16-jährige Zola und Wojtek, der sich komplett zurückgezogen hat und in seiner eigenen Welt lebt. Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet und die doch gemeinsam zu genau dem werden, was Leo jetzt braucht: Aus Nachbarn wird ein Team für Leo und schnell merken sie, dass sie ihn genauso brauchen wie er sie. Aus einsam wird gemeinsam.
Die Liebe von Pina zu ihrem Sohn ist spürbar, aber genauso auch die enorme Belastung, die sie tagtäglich trägt. Nichts wird beschönigt. Das Buch zeigt ehrlich, was es bedeutet, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen zu begleiten und wie viel Kraft es kosten kann, auch Hilfe anzunehmen. Außerdem wird einem beim Lesen bewusst, wie wichtig es ist, alle Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren und nicht einzelne auszugrenzen, weil sie nicht der sogenannten Norm entsprechen.
Trotz des ernsten Themas schafft es Vera Zischke, eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, denn der Ton ist humorvoll und zugänglich.
„Pina fällt aus“ ist ein berührender und ehrlicher Roman über Zusammenhalt, Verantwortung und Inklusion. Ein Plädoyer dafür, genauer hinzusehen und füreinander da zu sein. Ein Buch, das berührt und nachwirkt, deshalb 5/5 Sternen und eine Leseempfehlung! 💛
Klappentext:
WENN DU WEISST, DASS DU FÜR JEMANDEN DIE GANZE WELT BIST
Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt.
Morgens verlässt er das Bett erst. wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe autsteigt. Wenn er Treppen geht. dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht.
Die 16-jährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während die Hausgemeinschaft durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: SIE BRAUCHEN LEO AUCH.
