Roman

„Hummerjahre“ von Beatrix Gerstberger, dtv Verlag (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)

Nach der Lektüre von „Die Hummerfrauen“ letztes Jahr war ich gespannt auf die Rückkehr nach Eagle Island und ob es wieder ein 5-Sterne-Buch wird. Die Autorin knüpft mit „Hummerjahre“ direkt an die Geschichte von Mina und den anderen Menschen auf der Insel an und erzählt erneut von großen Gefühlen, vor allem von Verlust und den Spuren, die die Vergangenheit hinterlässt.

Viele Jahre sind vergangen, seit Mina mit ihrer Tochter Luca Eagle Island verlassen hat. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann Carlos in Seattle. Als ihr Vater Richard schwer erkrankt und die Insel noch einmal besuchen möchte, kehrt die Familie an den Ort ihrer Vergangenheit zurück. Auch die mittlerweile 17-jährige Luca hat einen eigenen Grund für die Reise: Sie möchte ihren leiblichen Vater Sam endlich näher kennenlernen. Für Mina bedeutet das Wiedersehen zugleich, sich mit ihrer großen Liebe von damals auseinanderzusetzen.

Auf Eagle Island hat sich vieles verändert. Einige Menschen sind nicht mehr da, andere führen ihr Leben weiter, so gut es eben geht. Gerstberger gelingt es, die Veränderungen ebenso wie die Vertrautheit des Insellebens einzufangen. Ihr ruhiger, einfühlsamer Schreibstil und die atmosphärischen Beschreibungen der Küste von Maine geben der Geschichte ihren besonderen Rahmen und großen Wiedererkennungswert.

Die Beziehungen zwischen den Figuren, alte Verletzungen und die Frage, ob es möglich ist, Vergangenes loszulassen und dennoch neu anzufangen stellt die Autorin überzeugend dar. Ich empfehle unbedingt vorher „Die Hummerfrauen“ zu lesen, auch trotz der Rückblenden kann sich sonst die Geschichte nicht ganz entfalten. 

Ganz an die Begeisterung für „Die Hummerfrauen“ konnte „Hummerjahre“ bei mir allerdings nicht anknüpfen. Dennoch habe ich mich über das Wiedersehen mit den Figuren gefreut und habe ihre Entwicklung mit großer Freude mitverfolgt. Für Fans des Vorgänger-Buches lohnt sich die Rückkehr nach Maine allemal. 4/5 Sterne