„Kurz bevor der Tag beginnt, ist die Nacht am dunkelsten“ von Wolf-Ingo Härtl, erschienen im Ultraviolett Verlag (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)
„Kurz bevor der Tag beginnt, ist die Nacht am dunkelsten“ ist ein ganz besonderes Buch. Auf den ersten Blick ist es auch eher ein Büchlein, kleiner und schmaler als die meisten Taschenbücher. Kaum mehr als 150 Seiten benötigt Wolf-Ingo Härtl, um die spezielle Geschichte der Auftragsmörderin Marie zu erzählen. Allein das kompakte Format mit dem eindringlichen Cover weckte meine Neugier.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Es ist eine spannende, berührende und trotz (oder wegen?) der Kürze intensive Geschichte mit einem sehr passenden Erzählstil. Mal von Dialogen dominiert, mal von Maries Gedanken und Erinnerungen, entsteht ein facettenreiches und tiefgründiges Bild ihres Wesens und wie sie zu dem wurde, was sie heute ist.
Marie tötet im Auftrag — meist Menschen, die es „verdient“ haben und für deren ultimative Bestrafung ein anderer Mensch viel Geld bezahlt. Wer sich schon immer gefragt hat, wie und warum man Profikiller wird, bekommt in diesem Buch eine Ahnung davon.
Härtl nimmt uns mit durch Maries Geschichte, rückwärts erzählt in Rückblenden nach Paris, Rio und Kamtschatka. Die verschiedenen Orte werden eher beiläufig beschrieben und dennoch fühlte ich mich beim Lesen dorthin versetzt.
Und fast bis ganz zuletzt bleibt die Frage offen, ob sie ihr aktuelles Ziel, mit dem sie das Bett teilt, tötet oder am Leben lässt.
Ein Thriller im eigentlichen Sinne ist es meiner Ansicht nach nicht, auch wenn es in der einen oder anderen Beschreibung so zu lesen ist. Es ist ein sehr lesenswerter Roman, der nachdenklich macht. 4,5 / 5 Sternen.
Klappentext:
Er nennt mich liebevoll.
Was glaubt er eigentlich von mir zu wissen?
Marie Giddas tötet auf Bestellung. Kalt, präzise, ohne Reue. Nun liegt Vincent neben ihr im Bett, der Mann, der heute ihr Auftrag ist. Doch das Undenkbare geschieht: Endlich gelingt es jemandem, ihre Mauern aus Zynismus und emotionaler Erstarrung zu durchbrechen. In Rückblenden nach Paris, Rio de Janeiro und an den Kurilensee entfaltet sich das Mosaik einer Frau, die von den Wunden ihrer Kindheit und einem verheerenden Verlust in die Arme eines Mentors getrieben wurde, der ihre Gabe zur Menschenkenntnis in eine tödliche Waffe verwandelte.
Marie spürt zum ersten Mal den festen Willen, dem zu entkommen, was das Geschehene aus ihr gemacht hat. Während der Morgen dämmert, ringt Marie mit ihrer Vergangenheit und einer folgenschweren Entscheidung.
Wolf-Ingo Härtls Roman ist ein psychologischer Thriller von betörender Intensität. Dunkel, nachdenklich und von einer Hoffnung durchzogen, die schmerzt.
