Krimi und Thriller

„Meine tote Schwester“ von Catherine Shepherd, erschienen im Kafel-Verlag (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)

Catherine Shepherd hat mit „Meine tote Schwester“ den ersten Thriller außerhalb ihrer drei Reihen „Zons“, „Laura Kern“ und „Julia Schwarz“ herausgebracht und bedient sich dort klassischer Settings des Genres (das geheimnisvolle Nachbarhaus, in das der undurchsichtige Neuling einzieht, um den sich düstere Gerüchte ranken).

Lukas und seine Mutter Nora flüchten vor ihrer Hamburger Vergangenheit in einen nicht näher benannten Ort im Süden Nordrhein-Westfalens, um ein neues Leben zu beginnen. Sie ziehen natürlich ausgerechnet in jene Villa ein, die einst Schauplatz schauriger Verbrechen war und um den die Einwohner entweder einen großen Bogen machen oder ihn für Lost Places-Videos ausschlachten.

Zu denen, die einen Bogen um das Haus machen, gehört auch Mia, die im Haus nebenan wohnt. Ihre Schwester kam vor vielen Jahren in der Villa ums Leben und Mia leider noch immer sehr unter diesem Verlust. Ihre Freundin Charlotte dagegen ist von Haus und neuem Bewohner gleichermaßen fasziniert.

Die Geschichte wird im Wesentlichen aus Sicht von Mia und Nora erzählt, dazu gibt es einige wenige anonyme Einschübe aus Täterperspektive. Die Figuren sind stimmig gezeichnet und ich habe sehr mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten. Viel spielt sich somit aus Mutter- bzw. Teenagerperspektive ab und spielt im Schulumfeld, was zu teils skurrilen Szenen führt, wenn die Mädchen zum Beispiel einem Lehrer in einem nicht abgeschlossenen Raum vermeintlich hinterherschnüffeln, er sie erwischt und ihnen Konsequenzen androht und die Mädchen davon tatsächlich eingeschüchtert sind — ich glaube, dass die Generation Z zum einen weniger Respekt vor dieser Art Autorität hat und zum anderen genau weiß, wo diese endet. An anderen Stellen zeigen die Teenager dafür dann ein großes Maß an Mut und Furchtlosigkeit, was für einen Thriller natürlich auch unerlässlich ist.

Catherine Shepherd legt bewusst und geschickt verschiedene Fährten, so dass sehr lange unklar bleibt, wem man in dieser Geschichte trauen kann und wem nicht. Ich hatte ab einem gewissen Zeitpunkt eine starke (und zutreffende) Ahnung, wer der Täter war und wie die Puzzlestücke zusammenpassen, das tat aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Ich vergebe 4/5 Punkten für einen soliden Thriller und Pageturner, der mich wirklich gefesselt hat.

Klappentext:

Ist er deine große Liebe – oder dein sicherer Tod?

Zwischen Mias Fenster und der verlassenen Nachbarvilla liegen dreißig Meter Rasen. Dreißig Meter bis zu dem Ort, an dem ihre Schwester starb. Seit elf Jahren steht das Haus leer. Niemand will dort leben. Bis jetzt. Dann zieht Lukas mit seiner Mutter ein. Die Gerüchte über ihn sind verstörend: Er soll an seiner alten Schule seine Freundin getötet haben. Mia weiß, dass sie sich von ihm fernhalten sollte. Doch Lukas findet etwas in der Villa – etwas, das ihrer toten Schwester gehörte.
Obwohl Mia geschworen hat, das Nachbarhaus nie wieder zu betreten, bricht sie ihr Versprechen. Ein Fehler. Denn kurz darauf wird eine Mitschülerin ermordet. Der Verdacht fällt sofort auf Lukas.
Mia muss sich entscheiden: Ist er wirklich der Freund, den sie in ihm sieht? Oder derjenige, der sie als Nächste töten wird?