Krimi und Thriller

„Nordschweigen — Wo der Sommer stirbt“ von Sirkka Saltnes, erschienen im Selbstverlag (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)

„Nordschweigen“ hat mich ambivalent zurückgelassen. Das Cover ist an- und vielsprechend, dunkle Wolken über einer typischen schwedischen Sommeridylle mit Holzhaus am Ufer. Das Setting der Geschichte hat mir auch gefallen, eine starke und eigenständige Ermittlerin, die mit den Schatten der Vergangenheit kämpft (die noch hinreichend umkonkret gelassen sind, dass hier mit einer Vertiefung in einer Fortsetzung zu rechnen ist) und sich in die vermeintliche Idylle des hohen schwedischen Nordens geflüchtet hat. Elin Lunde ist Polizistin in Göteborg, will sich eine Auszeit nehmen und schließt sich dann auf Anregung ihrer Tante dann doch einer Sondereinheit in Umea an, die den Mord an einer jungen Frau untersuchen soll.

Als Hundebesitzerin konnte ich die Situationen mit ihrem vierbeinigen Begleiter gut nachvollziehen und Sympathien für die Protagonistin aufbauen. Weniger gelang mir das bei ihrem menschlichen Partner, mit dem sie an den Mordfällen arbeitet — viele Dialoge und Äußerungen wirkten für mich nicht stimmig. Darunter leidet das Buch insgesamt: Eine grundsätzlich gut ausgearbeitete Story mit interessanten Charakteren und einem gelungenen Schreibstil steht auf der Habenseite, an einigen Stellen fehlte mir aber der letzte Schliff, was Dialoge und Übergänge angeht. Wenn Elin mit sich und ihren Gedanken allein ist, ist es ein starkes Buch, bei der eigentlichen polizeilichen Ermittlung fand ich vieles zu knapp, umplausibel oder zufällig.

Beim Lesen dachte ich mir oft, dass das das typische Problem von im Selbstverlag erschienen Büchern ist und hier ein (professionelles) Lektorat geholfen hätte, der kritische Blick von außen im Prozess. Die konsequent falsche Verkürzung von „es“ ohne Apostroph verstärkte diesen Eindruck. Dann in Danksagung und Impressum zu lesen, dass es sowohl Lektorat als auch Korrektor gab, war gelinde gesagt überraschend.

Das Grundgerüst hat Potential für eine Krimireihe und ich habe mich von der Geschichte auch gut unterhalten gefühlt. Zwar war ich nicht gefesselt, aber doch hinreichend neugierig auf die Entwicklung und Auflösung der Geschichte. Die fand ich, was die Ermittlungsarbeit angeht, allerdings nicht vollständig plausibel.

Ein großes Dankeschön an die Autorin für das liebevolle Bloggerpaket, das viel skandinavischen Flair versprühte — wie das ganze Buch, das mich erfolgreich in den schwedischen Norden versetzt hat. Fans skandinavischer Krimis finden hier eine unterhaltsame Sommerlektüre.

3,5/5 Sternen

Inhaltsangabe:

NEUERSCHEINUNG – Auftakt der neuen Krimireihe, hoch im Norden Schwedens

Die gefährlichste Person im Leben jeder Frau ist ein Mann.

Ermittlerin Elin Lunde freut sich auf ein freies Jahr, fernab vom stressigen Polizeialltag. Die brutal zugerichtete Leiche einer jungen Frau im tausend Kilometer entfernten Umeå interessiert sie zunächst nicht weiter. Als sich jedoch die Möglichkeit ergibt, genau dort einen Neuanfang zu wagen, verwirft sie ihre Pläne. Mit Hund Oskar im Gepäck zieht es sie in die nordschwedische Einsamkeit, um für die neugegründete Sondereinheit NSE zu arbeiten.

Während Elin darum kämpft, sich im Team zu behaupten, fordert ein zweiter Mord ihre volle Aufmerksamkeit. Wieder ist eine Studentin das Opfer, nicht einmal zwei Monate liegen zwischen den Taten. Zunehmend geraten die Beschäftigten der Universität Umeå ins Visier der Ermittlungen. Und mit jedem Tag steigt die Gefahr, dass eine weitere Frau sterben muss …

NORDSCHWEIGEN – Wo der Sommer stirbt ist der Auftakt der neuen Schwedenkrimireihe um das Ermittlerduo Elin Lunde und Snorre Forsberg.