„Das Event“ von Antje Zimmermann, erschienen bei dtv (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)
Meine Osterlektüre war Nordsee-lastig: Direkt nach „Das Gehöft“, das auf einer Hallig spielt, habe ich mit „Das Event“ weitergemacht, dessen Haupthandlung auf Helgoland stattfindet. Dort treffen sich die Polizistinnen Leandra Kern und Maxi Adler. Während Kern sich in die vermeintliche Ruhe der Insel flüchten will, kehrt Adler in ihre Heimat zurück, wo es einige familiäre Probleme zu lösen gibt.

In einem leerstehenden Hotel auf der Insel findet ein spezielles Live-Event statt, das Horrorfans und Influencer anziehen soll. Die Story bewegt sich stets an der Grenze zwischen Schauspiel und Realität, zwischen ausgearteten Späßen und echter Boshaftigkeit.
Allein der Schauplatz Helgoland macht die Geschichte besonders. Gleichzeitig wirkt es surreal, dass sich alles auf nur rund einem Quadratkilometer mitten in der Nordsee abspielt. Ich hatte nur ein diffuses Bild der Insel und habe mich parallel zur Lektüre etwas über die bewegte Geschichte von „Deutschlands einziger Hochseeinsel“ (wobei sie weder geografisch noch rechtlich in der Hohen See liegt) informiert und es ist Antje Zimmermann wunderbar gelungen, diese Historie in die Story einzubinden.
Ihre Protagonistinnen haben mir ebenfalls gut gefallen — starke, selbständige und selbstbewusste Frauen mit Ecken und Kanten. Wie schon in „Frau Faust“ gibt es unkonventionelle weibliche Charaktere, die die männlichen Rollen deutlich in den Hintergrund drängen. Gleichzeitig frage ich mich, welch Shitstorm epochalen Ausmaßes ein männlicher Autor wohl abbekommen würde, der seinen männlichen Hauptcharakter derart offen seine Geilheit beschreiben und ausleben und diesen dabei Frauen zu reinen Sexobjekten degradieren ließe.
Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, der Schreibstil und die Kapitelstruktur haben mich wirklich ans Buch gefesselt, Lesepausen einzulegen erforderte höchste Überwindung (oder externe Einflüsse). Es ist durchweg spannend und die ruhigeren Szenen, in denen Leandra und Maxi ihre persönliche Situation reflektieren, passten stets gut in den Flow.
Nur das Ende hat mir persönlich leider nicht mehr so gut gefallen. Es kommt zu aus meiner Sicht unnötigen Todesfällen, das Ende der einen Figur wird ihrer Rolle nicht gerecht — auch wenn ich anerkenne, dass hier ein guter „Exit“ schwer zu finden war — und den letzten Mord kann ich zwar auf rationaler Ebene nachvollziehen, aber er macht mir emotional zu schaffen. Musste er wirklich sterben?
Ein weiterer kleiner Wermutstropfen ist das Korrektorat — ich habe eine Handvoll Fehler entdeckt, wobei „Intensives“ statt „Incentives“ der unangenehmste war. Nobody’s perfect, aber bei gedruckten Büchern eines renommierten Verlages kann ich meinen hohen Anspruch an sprachliche Korrektheit nicht ablegen. Die Bewertung des Buches bleibt davon unberührt.
Ich vergebe 4/5 Sternen und eine Leseempfehlung! Linus Geschkes Bewertung kann ich mich bzgl. der „spannenden Story“ uneingeschränkt anschließen, ebenso wie seiner Empfehlung „unbedingt lesen!“.

Klappentext
Ein leer stehendes Inselhotel.
Ein dubioser Eventveranstalter.
Ein Spektakel mit tödlichem Ausgang.
Ein verlassenes Hotel auf Deutschlands einziger Hochseeinsel. Dort erwacht Stephen Kings »The Shining« zum Leben, als exklusives Live-Event. Doch das Spiel entwickelt eine unheimliche Eigendynamik und »Horror auf Helgoland« wird zum viralen Hit.
Hoffnungsvoll ist Kommissarin Leandra Kern aus Hamburg nach Helgoland gekommen. Nur unter massivem Druck ist Kommissaranwärterin Maxi Adler an ihren Geburtsort zurückgekehrt. Als die Ereignisse rund um das Hotel immer beängstigender werden, müssen die beiden unterschiedlichen Frauen zusammenarbeiten. Sie sehen sich mit einem Mord konfrontiert, bei dem das Event endgültig zur Realität wird.
»Einer jener seltenen Thriller, bei dem eine spannende Story mit einer überragenden Sprache Hand in Hand geht. Unbedingt lesen!« Linus Geschke, Bestseller-Autor
