„Dieser Sommer gehört mir“ von Claudia Schaumann, erschienen bei Goldmann (unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar)
Letztes Jahr war „Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ ein Highlight für mich und so war ich sehr gespannt auf das neue Buch „Dieser Sommer gehört mir“ von Claudia Schaumann und meine Erwartungen waren hoch.

Charlottes Leben verändert sich schlagartig: Ehe-Aus, Kinder ausgeflogen, Stillstand im Job. Erst mal herrscht bei ihr eine große Orientierungslosigkeit. Was folgt, ist der Versuch eines Neuanfangs inklusive der spontanen Entscheidung, eine Kneipe zu übernehmen. Eine Idee, die zwar Mut zeigt, für mich aber nicht immer ganz greifbar oder nachvollziehbar wirkte.
Besonders spannend ist der Perspektivwechsel: Neben Charlotte begleiten wir auch ihre Tochter Leni, die in Oxford ihre ganz eigenen Erfahrungen macht: erste große Liebe, Enttäuschung, Selbstfindung. Dieser generationenübergreifende Blick bringt grundsätzlich Tiefe in die Geschichte. Für mich fühlte es sich stellenweise aber eher wie zwei unterschiedliche Erzählstränge an, die tonal nicht ganz zusammenfinden.
Was der Roman definitiv kann: Atmosphäre. Zwischen Lüneburger Heide und Oxford entfaltet sich ein Setting, das sich wirklich sehen (und fühlen) lassen kann. Kneipenluft, neue Mitbewohner, ein Tiny-Haus, Gastfamilien, Sommerabende am See, dazu dieser Hauch von Freiheit, das hat schon etwas. Auch die im Buch mitschwingende Leichtigkeit, trotz ernster Themen wie Trennung oder Selbstfindung, ist gelungen.
Charlotte selbst macht eine wunderbare Entwicklung durch, sie findet heraus was sie eigentlich will und wer sie eigentlich ist. Gerade diese Zerrissenheit zwischen neu gewonnener Freiheit und der Wehmut über den Auszug der Kinder kann ich in einer ähnlichen Lebenssituation absolut nachvollziehen.
Die Dynamik mit Mo, dem geheimnisvollen Nachbarn, bringt zwar eine gewisse Spannung rein, bleibt aber in meinen Augen etwas vage. Da war definitiv Potenzial vorhanden, das nicht ganz ausgeschöpft wurde.
Das Buch liest sich unglaublich flüssig. Der Schreibstil ist leicht, zugänglich und sorgt dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Dazu kommen schöne Dialoge und immer wieder Momente, die ein warmes Gefühl hinterlassen.
Das Ende war anders als erwartet und bringt der Story auf jeden Fall noch Pluspunkte ein.
Ich vergebe 4,5/5 Sternen und eine Leseempfehlung.


Klappentext:
Was passiert, wenn du dich mit Mitte vierzig noch mal ganz neu erfindest?
So hat Charlotte sich ihr Leben mit 43 nicht vorgestellt: Sie ist so gut wie geschieden, beide Töchter sind im Ausland, und die Familienvilla gehört den Noch-Schwiegereltern. Höchste Zeit für einen Neuanfang! Spontan zieht sie in ein Tiny House am See und übernimmt eine Bar in der Lüneburger Altstadt. Ihre Freundinnen Ava und Sam finden, dass sie ihre neue Freiheit genießen sollte: Schwimmen unterm Sternenhimmel und tanzen, bis es hell wird! Doch ganz so einfach ist das alles nicht. Charlottes Nachbar Mo ist zwar sehr charmant und hilfsbereit, scheint aber ein Geheimnis zu haben. Und wie bleibt man bloß den eigenen Kindern nah, wenn sie so weit weg sind? Auf jeden Fall beschließt Charlotte: Dieser Sommer gehört ihr …
