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„Die Akte Schneeweiß“ – Felicitas Fuchs – Heyne

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Mit „Die Akte Schneeweiß“ hat Felicitas Fuchs mich wieder einmal komplett abgeholt. Nachdem ich bereits ihre Minna-Trilogie verschlungen habe, war meine Erwartung hoch und ich wurde kein Stück enttäuscht. 

Das Buch spielt in Bielefeld zu zwei unterschiedlichen Zeiträumen, von 1936 bis 1946 und 1963 bis 1977, und erzählen die Geschichte von Mathilde und Katja, zwei Frauen, deren Lebenswege durch ein altes Familiengeheimnis miteinander verbunden sind.

Schonungslos ehrlich zeigt die Autorin die Stellung der Frau in beiden Zeiten. Rechte, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren damals hart umkämpft oder schlicht nicht vorhanden. Katjas Kampfgeist in den 60er- und 70er-Jahren hat mich tief beeindruckt. Zu wissen, dass Frauen damals ohne Zustimmung ihres Ehemanns nicht einmal arbeiten durften, ist aus heutiger Sicht kaum zu fassen und es ist noch gar nicht so lange her!

Mathildes Geschichte ging mir besonders unter die Haut. Mehr als einmal hatte ich beim Lesen einen Kloß im Hals. Ich war wütend, fassungslos, traurig und gleichzeitig so dankbar, dass diese Geschichte erzählt wird. Gerade weil sie auf wahren Begebenheiten beruht, entfaltet sie eine enorme Wucht. Manche Szenen sind schwer auszuhalten, aber genau das ist wichtig. Diese Kapitel deutscher Geschichte dürfen nicht verblassen. Sie müssen erzählt, gelesen und erinnert werden.

Besonders eindringlich ist die Auseinandersetzung mit dem Thema ungewollte Schwangerschaft und der Frage, wie häufig Frauen – damals wie heute – mit den Konsequenzen allein gelassen werden. Während Männer sich entziehen können, tragen Frauen Verantwortung, Scham und gesellschaftliche Verurteilung. Dieses Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und macht ihn erschreckend aktuell.

Felicitas Fuchs verwendet eine greifbare Sprache und lässt die Geschichte so im Kopf Wirklichkeit werden. Auch das von ihr selbst eingelesene Hörbuch ist sehr hörenswert! 

Die Message der Geschichte ist absolut wichtig: Nie wieder dürfen sich gesellschaftliche Entwicklungen wiederholen, die Ausgrenzung, Entrechtung und Diskriminierung ermöglichen. Wir alle sind gefragt, wachsam zu bleiben!

„Die Akte Schneeweiß“ ist ein intensiver und bewegender Roman über Frauenrechte, gesellschaftliche Zwänge und die Kraft, für sich selbst einzustehen. Hochaktuell, erschütternd und absolut lesenswert. Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen. ⭐⭐⭐⭐⭐

Klappentext:

Bielefeld 1963. Während sich ihre jüngere Schwester für Mode und Musik begeistert, wünscht sich die vierzehnjährige Katja nichts mehr, als später einmal Ärztin zu werden. Doch dann verschwindet ihr Großvater. Die Familie schweigt über seinen Verbleib. Erst viele Jahre später, als Katja ihre Berufung in der Frauenheilkunde findet, kommt sie dahinter, was mit ihrem Großvater geschah, und sie stößt auf das dramatische Schicksal einer jungen Frau aus den Dreißigerjahren: Mathilde Schneeweiß kämpfte in der dunkelsten Stunde für die Rechte der Frauen. Und dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei.